Amazon stärkt sein souveränes Cloud-Angebot für die EU
Amazon Web Services hat eine Erweiterung seiner European Sovereign Cloud angekündigt und richtet sich damit an EU-Regierungen sowie regulierte Organisationen, die strikte Kontrolle darüber benötigen, wo ihre Daten gespeichert und wie sie verwaltet werden. Das im Januar 2026 vorgestellte Vorhaben schafft zusätzliche Kapazitäten für die souveräne Cloud innerhalb der Europäischen Union.
Der Schritt erfolgt vor dem Hintergrund einer umfassenderen politischen Initiative in Europa, die digitale Souveränität zu stärken – insbesondere in Bereichen wie öffentlicher Verwaltung, Finanzen und Gesundheitswesen, wo Datenstandort und rechtliche Zuständigkeit zunehmend als essenzielle Infrastrukturthemen gesehen werden.
Wie AWS seine EU-Cloud strukturiert
Laut AWS wird die European Sovereign Cloud als eigenständige Cloud-Umgebung betrieben, die vollständig innerhalb der EU gehostet wird. Speicherung, Verarbeitung und Kontrolle der Daten bleiben auf europäischem Gebiet, und die Plattform wird von einer eigenen europäischen Rechtseinheit verwaltet. Die täglichen Betriebsabläufe übernehmen eine EU-basierte Leitung und Mitarbeitende; alle Aktivitäten unterliegen europäischem Recht.
Die erste Region für die souveräne Cloud entsteht derzeit im brandenburgischen Deutschland. Um den Zugang auszuweiten und gleichzeitig die Anforderungen an die Datenresidenz zu erfüllen, kündigt AWS zudem neue Local Zones in Belgien, den Niederlanden und Portugal an. Diese Zonen sollen latenzkritische Anwendungen näher zu den Nutzer:innen bringen, ohne dass Daten die EU verlassen.
Laut AWS ist die souveräne Cloud auf Betriebsstabilität und lokale Kontrolle ausgelegt – etwa mit der Möglichkeit, unter bestimmten Bedingungen vom globalen Cloud-Netzwerk unabhängig zu funktionieren. Zum Start werden über 90 AWS-Dienste aus Bereichen wie Computing, Storage, Netzwerk, Sicherheit und Identitätsmanagement unterstützt, sodass ihr komplexe Workloads innerhalb der souveränen Umgebung betreiben könnt.
Rechtlicher Kontext und laufende Debatte
Die Erweiterung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Diskussionen um den US CLOUD Act, der US-Behörden unter bestimmten Bedingungen Zugriff auf Daten von US-Unternehmen erlaubt. AWS betont, dass Verschlüsselung, operative Trennung und EU-geführte Verwaltung das rechtliche Risiko verringern – dennoch bleibt die Frage nach den Grenzen der Cloud-Souveränität weiterhin ein Thema in Europa.
Einige europäische Branchenbeobachter argumentieren, dass vollständige digitale Souveränität schwer umzusetzen ist, solange Cloud-Anbieter ihren Hauptsitz außerhalb der EU haben. Sie verweisen auf Alternativen wie IONOS, die durchgängig unter europäischem Besitz und Recht operieren.
Bis 2040 will AWS über 7,8 Milliarden Euro in Deutschland investieren, um das Sovereign-Cloud-Projekt zu unterstützen. Ähnliche Initiativen von Microsoft und Google mit Fokus auf Souveränität zeigen, wie regulatorischer Druck die europäische Cloud-Landschaft verändert.