Amazon startet seine Internetarmee – Starlink sollte nervös werden
Amazons Kuiper-Projekt hat sowohl die Startrampe als auch den Hype hinter sich gelassen. Mit mittlerweile 54 Satelliten im niedrigen Erdorbit – ermöglicht durch einen zweiten Start von Cape Canaveral am 23. Juni 2025 – ist die Aufwärmphase vorbei. Kuiper ist offiziell im Einsatz. Der Juni-Start brachte 27 weitere Satelliten zur ersten Charge von April und markiert damit den Beginn der Massenausbringung.
Mit einer Konstellation von mehr als 3.200 Satelliten in drei Umlaufschalen baut Kuiper rasant – nicht nur, um mit Starlink Schritt zu halten, sondern um den Takt komplett zu verändern.
Amazon baut eine Lieferkette im All
Starlink hat zahlenmäßig noch deutlich die Nase vorn: Über 7.600 Satelliten umkreisen die Erde und versorgen Millionen Nutzer*innen. Doch Kuiper bringt Amazons typische Logik des Lieferkettenmanagements an den Rand des Weltraums – mit Satellitenfertigung in Kirkland, Startverträgen (darunter auch einer mit SpaceX) und einem Distributionsplan, der seinem Einzelhandelsgeschäft ähnelt.
Another 27 Kuiper satellites have been deployed into low Earth orbit. Thanks to @ULAlaunch for another successful launch on Atlas V.
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— Project Kuiper (@ProjectKuiper) June 23, 2025
Jeder Kuiper-Satellit steckt voller Hardware, die eher nach Infrastruktur als nach Raumfahrt klingt: Hall-Effekt-Triebwerke für Manöver, optische Laserlinks mit bis zu 100 Gbit/s und Phased-Array-Antennen für breite Abdeckung und schnelles Umschalten. Damit sagt Amazon leise, aber deutlich: Wir sind nicht zum Herumexperimentieren hier.
Der eigentliche Wettkampf heißt Abdeckung
Die prognostizierten Kuiper-Geschwindigkeiten (bis zu 400 Mbit/s bei 20 bis 40 Millisekunden Latenz) reißen städtische Nutzer*innen nicht vom Hocker. Für ländliche Schulen, Forschungsschiffe, Einsatzkräfte und Gemeinden, die noch auf löchrige Festnetzverbindungen angewiesen sind, bedeuten sie jedoch einen spürbaren Sprung bei Tempo und Verfügbarkeit.
Mit Endgeräten für Privat- und Geschäftskund*innen in der Entwicklung bereitet Amazon einen breiten Roll-out vor, der Kuiper als integriertes Netzwerkwerkzeug positioniert – bereit, sich an AWS, Alexa oder jedes andere Amazon-Ökosystem anzudocken.
Starlink dominiert zwar weiterhin die Karte, doch Kuiper lernt das Terrain – und bringt eigene Spielregeln mit. Der eigentliche Sieg wird über Reichweite, Zuverlässigkeit und die Fähigkeit entschieden, digitale Brücken dorthin zu schlagen, wo bisher keine existieren.